Jeden Tag belasten wir unsere Gelenke auf vielfache Weise – und diese leisten Schwerstarbeit. Bei jedem normalen Schritt drückt beispielsweise das mehr als 5-fache Körpergewicht (bei 70kg Körpergewicht sind das bereits 385kg) auf das Knie, bei Sprüngen sogar noch mehr. Schädigungen an den Gelenkflächen vermindern Ihre Leistungsfähigkeit - durch Schmerz, Schwellung, oder Gelenkblockierung - genau dann, wenn Sie Ihr Leben aktiv gestalten wollen.
Welche Funktion hat der Gelenksknorpel?
Gesunder Gelenkknorpel schützt durch seine stoßdämpfenden Eigenschaften Gelenke auch bei Spitzenbelastungen die ein Mehrfaches des Körpergewichtes betragen. Durch seine extrem glatte Oberfläche erlaubt der Knorpel eine „reibungsfreie Fortbewegung“. Damit nimmt Knorpelgewebe eine Schlüsselposition in Gelenken ein.
Wie entsteht ein Knorpelschaden?
Durch Unfälle, jahrelange Überbeanspruchung oder Durchblutungsstörungen am darunterliegenden Knochen kann das Knorpelstützgewebe geschädigt werden. Verletzungen am Meniskus und Knieinstabilität durch Bandverletzungen begünstigen die Entstehung des Knorpelschadens.
Heilt ein Knorpelschaden von selbst?
Da der Knorpel im Gegensatz zu vielen anderen Geweben des Körpers nicht durch Blutgefäße versorgt wird, heilt Knorpelgewebe in der Regel nicht von selbst. Ein einmal aufgetretener Knorpelschaden hat die Tendenz größer zu werden und die gegenüberliegende Gelenkfläche ebenfalls zu schädigen. Gehäuft auftretende Knieschwellungen, Gelenkreiben und Knieschmerz sind klassische Anzeichen.
Kann ein schwerer Knorpelschaden chirurgisch behandelt werden?
Bei kleinflächigen tiefen Knorpelschäden wird im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) eine „Mikrofrakturierung“ des Gelenkknochens durchgeführt. Dabei wird die knöcherne Gelenkslamelle mit einem dünnen Bohrer oder Meißel aufgebrochen. Dies führt zum Austritt von Blut wodurch die Bildung einer Knorpelnarbe stimuliert wird. Vorteil dieser Methode ist die minimale Invasivität des Eingriffes,
Liegt zusätzlich eine Erkrankung des Knochens vor, stellt die „OATS - Technik“ die Methode der Wahl dar. Bei dieser Technik wird zuerst der kranke Gelenkanteil im hochbelasteten Gelenksbereich ausgestanzt. Anschließend wird mit einer dazupassenden Stanze ein Knorpel-Knochenzylinder aus einem wenig belasteten Kniegelenkanteil schonend entnommen. Der gewonnene Knorpel-Knochenzylinder wird dann in die hochbelastete Defektzone eingepasst. Werden mehrere Zylinder verwendet spricht man von einer „Mosaikplastik“.
Der großflächige Knorpelschaden kann in ausgewählten Fällen durch eine „Knorpeltransplantation“ behandelt werden. Dazu wird während einer Gelenksspiegelung ein kleine Menge Knorpel aus einem randständigen Gelenksanteil entnommen. Im Labor erfolgt anschließend die Vermehrung und Fixierung dieses körpereigenen Knorpels auf einem biologischen Trägermaterial. In einer Folgeoperation wird dem Patienten der „neue Knorpel“ transplantiert.
SPEZIELLE PHYSIOTHERAPIE nach Knorpelchirurgie : Warum?
Chirurgischer Eingriff und Nachbehandlung sind anspruchsvoll. Die exakte Analyse des Knorpelschadens und der individuellen Bedürfnisse des Patienten durch den Knorpelspezialisten sowie die enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Physiotherapeuten sind unbedingte Voraussetzungen um die Einheilung des Knorpelersatzgewebes – und damit den Langzeiterfolg – sicherzustellen.
Der 1. Tag nach der Operation Bettruhe
Der 2. Tag Durchbewegung des Knies auf einer Motorschiene
Mobilisierung mit Gehstützen und Knieschiene
Stationäre Entlassung am 3. Tag nach Mikrofrakturierung
am 4. Tag nach OATS Plastik
am 6. Tag nach
Knorpeltransplantation
Für 6 Wochen Teilbelastung
Knieschiene
Bewegungsübungen
Motorschiene nach
Knorpeltransplantation
Nach 6 Wochen Schrittweiser übergang zur Vollbelastung
Muskelaufbau
Unterwassertherapie
Koordinationstraining, Rudertraining, Cross-Trainer
Nach 3 Monaten Ergometertraining
Radfahren in der Ebene
Anmerkung:
Liebe Patienten, die oben angeführte Information ist unverbindlich. Der Überblick soll Ihnen mögliche Ursachen und modernste Behandlungsformen zur Knorpelregeneration verständlich darstellen ersetzt jedoch nicht das Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Individuelle Behandlungsziele können vom vorliegenden Behandlungsschema abweichen.
Wer hilft mir bei einem Knorpelschaden?
Das physiofit Team berät Sie gerne ausführlich über Ihre auf Sie persönlich abgestimmte Physiotherapie. Spezielle Fragen zum Thema chirurgische Knorpeltransplantation empfehlen wir an Herrn Oberarzt Dr. Ralf Rosenberger - Leiter des Schwerpunkts Knorpelchirurgie an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie/Sporttraumatologie Innsbruck - zu richten:
OA Dr. Ralf Rosenberger
Spezialist für Knorpelchirurgie
Facharzt für Unfallchirurgie
Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie Innsbruck
t: 0512 504 80752
ralf.rosenberger@i-med.ac.at |